Neuenhauser Schützenverein von 1614 e.V.

Der Spielmannszug besteht seit dem Jahr 1952. Bereits in den Jahren vorher war die Gründung eines Musikzuges innerhalb des Schützenvereins angeregt worden. Damals meinte man aber, und das nicht ganz zu unrecht, dass ein dritter Spielmannszug für die Dinkelstadt des Guten zuviel sei, denn da war das Reichsbanner mit seinen Spielleuten und der damals gleichfalls in Blüte stehende jungdeutsche Orden, der mit seinen musikbegabten Mitgliedern einen Spielmannszug bildete.

Aufgrund der politischen Entwicklungen im 2. Weltkrieg verloren sowohl das Reichsbanner als auch der jungdeutsche Orden seine Existenz. Die musikalischen Abteilungen lösten sich auf.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges entstand im neu belebten Schützenverein der Gedanke, dem Verein eine musikalische Stärkung zu geben. So kam es 1952 zur Gründung des Spielmannszuges.

Dieser Spielmannszug zählte 15 aktive Mitglieder, die sich mit einer sehr großen Begeisterung engagierten.

Im selben Jahr fand auch der erste öffentliche Auftritt auf dem Neuenhauser Schützenfest statt.

Tambourmajor war seinerzeit H. Teeders, der in den wenigen Monaten seit der Gründung fleißig gearbeitet hat.

In den Jahren 1953 bis 1957 wurde der Spielmannszug von J. Frantzen und H. Reefmann geführt.

1958 übernahm G. Frantzen das Amt des Tambourmajor. 1964 wurden erstmals auch Jugendliche in den Spielmannszug aufgenommen. Eine Entscheidung, die zunächst mit Skepsis beäugt wurde, sich im nachhinein aber als richtig herausstellen sollte.

Die Zahl der Spielleute wuchs kontinuierlich und genauso das Erscheinungsbild des Spielmannszuges. Zahlreiche Auftritte und Freundschaften zu anderen Vereinen prägten weiterhin das Geschehen im Zug, dessen Führung 1985 H. Schodlock übernahm.

Eine besondere Freundschaft entwickelte sich damals zum Musikverein Aulendorf. Der Spielmannszug und der Neuenhauser Schützenverein besuchten die Freunde in Aulendorf anlässlich ihres Schlossfestes im Jahre 1986.

Im Jubiläumsjahr des Neuenhauser Schützenvereins 1989, zählte der Spielmannszug 48 aktive Mitglieder und war damit der personell am besten bestückte Spielmannszug in der Grafschaft Bentheim. In verschiedenen Wettbewerben innerhalb und außerhalb der Grafschaft konnte der Spielmannszug sein Können unter Beweis stellen und erntete oftmals großes Lob und Anerkennung. Als besondere Bestätigung galt damals der errungene 1. Platz beim Musikwettstreit in Almelo/NL. Überregional wurde der Spielmannszug beispielsweise auch in Neuharlingersiel gern gesehen. Hafenkonzerte waren nicht nur für die Anwohner und Touristen ein besonderes Highlight.

Anlässlich solcher Erfolge und der Tatsache, dass der Spielmannszug wieder „wächst und gedeiht“ ist es ein Ziel, an solcher Stelle wieder anzuknüpfen.

Ab 1995 durchlebte der Spielmannszug eine sogenannte Krise. Die Mitgliedszahlen sanken, die Führung des Spielmannszuges war alles andere als einfach und Unmut machte sich über die übriggebliebenen Spielleute breit. Ein Zustand der sich in der Öffentlichkeit nicht lange verbergen ließ. Das Potential des Spielmannszuges wurde dermaßen schlecht, das Termine platzten, weil ganz einfach die Leuten fehlten oder die Musik für das Publikum einfach nicht „hörenswert“ genug gewesen war. So verzichtete der Spielmannszug immer mehr auf Freundschaftstreffen oder Spielwettbewerbe in der umliegenden Region. Dieser Zustand der „Ohnmacht“ ging sogar soweit, dass schon über „Alles hinschmeißen“ oder „Die Türen für immer abschließen“ heftigst diskutiert wurde.

Viele der verbliebenen Spielleute waren nur noch der Meinung, man hätte wichtigeres zu tun, als sich noch über den Verein zu ärgern, was auch jeder nachvollziehen konnte. Jeder gab dem anderen die Schuld für die Misere verantwortlich zu sein.

So bedarf es schließlich Hilfe, oder vielmehr ein mahnendes Wort, von „Außen“ um der Krise ein Ende zu setzen. Der Vorstand des Neuenhauser Schützenvereins war immer davon überzeugt, dass der Spielmannszug, als Vorzeigeobjekt, nie zu Grunde gehen dürfe.

Dem damaligen Präsidenten des Schützenvereins Georg Olthoff und dem Ehrenadjutanten Franz Eistrup lag viel daran, das Fortbestehen des Spielmannszuges zu sichern. So regten diese beiden Herren des öfteren klärende Gespräche an und fungierten gleichzeitig als Berater und als Schlichter in einigen „heißen“ Diskussionen. Es dauerte einige Zeit, bis diese „Hilfe von Außen“ Früchte trug und im Grunde genommen ist es nur einer Person zu verdanken, dass der Spielmannszug „überlebt“ hat. Bianca Bült übernahm das Amt des Tambourmajors und hielt die Spielleute zusammen. Ein Aufgabe, die sie zwar nicht ganz freiwillig übernahm, aber dennoch mit bestem Geschick gemeistert hat. Fast unermüdlich hat sie immer wieder auf die Spielleute eingeredet und sie davon überzeugt, weiter zu machen und sie dabei den einen oder anderen aufgelösten Nerv auf der Straße liegen lassen müssen...bis... ja bis zu dem Tage, als der erste Nachwuchs durch die Tür des Spielmannszugkellers hereinspazierte. Seit 1999 kamen immer mehr Kinder durch diese Tür und es wurden am Anfang fast wöchentlich mehr. Mittlerweile hast sich die Mitgliederzahl wieder erhöht und die Krise, in die der Spielmannszug steckte ist nun überwunden. Ein Zustand, der sich hoffentlich die nächsten 50 Jahre und darüber hinaus noch hält.

Der Spielmannszug in diesen Tagen wird sehr stark durch die Kinder geprägt. Vor circa 10-15 Jahren lag das Mindestalter der Spielleute bei 12 Jahren. Man erkannte aber, dass Kinder in diesem Alter nicht mehr so leicht für „handgemachte“ Musik zu begeistern sind. Deshalb hat man das Mindestalter auf 8 Jahre heruntergesetzt. Zwar sind auch Kinder dabei, die noch ein wenig jünger sind, aber das sichert den Nachwuchs noch um einiges mehr. Da der Spielmannszug nicht nur langweiliges Üben, Üben und nochmals Üben exerziert, sondern auch mal einen Spielenachmittag, eine Radtour oder als besonderes Event eine Übernachtung im Keller mit Nachwanderung und Gruselgeschichtenerzählen veranstaltet, wird der Spielmannszug für die Kinder interessanter.

Zwar gibt es festgelegte Übungszeiten, aber es kommt schon mal vor, dass mehr Pause gemacht oder herumgetobt wird als konzentriert zu üben.